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Operette für 2018/19 gesucht? Wir haben VIKTORIA UND IHR HUSAR!

Im November 2018 jährt sich das Ende des ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Diese Operette von Paul Abraham thematisiert genau diese Zeitenwende.

"Vor dem dunklen Hintergrund des Weltgeschehens", so der Rezensent der Berliner Erstaufführung von VIKTORIA UND IHR HUSAR, "zieht die Operette ihre weißen und grünen und roten Girlanden, hängt sie ihre heiteren Lampions auf. Melodram und Hopsasa in schönstem Gleichgewicht". So ist sie eben, die Operette "an sich" (die es an sich natürlich gar nicht gibt): Ähnlich wie heutzutage das Musical fügt sie scheinbar Unvereinbares zu einem unterhaltsamen Ganzen, dessen ernste Untertöne einem aufmerksamen Zuschauer noch lange nachgehen können.

Paul Abrahams VIKTORIA UND IHR HUSAR thematisiert die Zerrissenheit, mit der fast alle Welt nach dem Ende des ersten Weltkriegs zu kämpfen hatte: Der Kriegsheimkehrer Stefan Koltay wird mit einer veränderten Realität konfrontiert, sein Leben im Frieden entwickelt sich ganz anders als gedacht. "Eine bittere Erfahrung (...), die selbst vor einer Operettenfigur nicht Halt macht", heißt es in der Materialmappe des Jungen Gärtnerplatztheaters zu VIKTORIA UND IHR HUSAR, und weiter: "Hier sehen wir ganz deutlich, dass die Realität an Operettenfiguren nicht spurlos vorübergeht, sondern tiefe Spuren und Wunden hinterlässt".

Es scheint, dass gerade VIKTORIA UND IHR HUSAR innerhalb der Abraham-Renaissance der letzten Jahre quasi den ernsten Part spielt: Die Rezensenten der Aufführungen in Gießen, München, Gera oder Linz waren voll des Lobes für die fabelhafte musikalische, dem Original angenäherte Rekonstruktion, wiesen aber vor allem auf die im Grunde tragische Handlung hin: Das Leben aller drei Hauptfiguren gerate "quer über die Kontinente aus den Fugen", hieß es in Linz, "Operettenanarchie mit Zeitkritik" war eine Gießener Rezension betitelt und führte weiter aus: "Ein politisch aktueller und gegen den deutschen Operettenstrich gebürsterter, ein Rassismus und Diskriminierung verteufelnder Traum". Der Bayerische Rundfunk meinte anlässlich der Münchner Premiere: "Ja, es ist möglich, Operette ernst zu nehmen, sehr ernst sogar, und erst dann ist sie so unterhaltsam, bewegend und mitreißend". 

In Linz war VIKTORIA UND IHR HUSAR in einen ungewöhnlichen Theaterabend unter dem Motto "Familienfeste" integriert, gemeinsam mit Ibsens "Gespenstern" und Woolfs "Mrs Dalloway". Abrahams Operette sei "turbulent, fast dadaistisch", kündigte das Landestheater Linz seinerzeit an. Der Münchner Intendant und Regisseur charakterisierte "seine" VIKTORIA so: "Stilistisch zwischen großer silberner und kommender Revueoperette angelegt, bizarr angereichert durch pittoreske Schauplätze und immer durchzogen von großer Sehnsucht nach der alten guten Zeit, liegt mit dem musikalische hervorragenden Werk eine Geschichte mit unbeständiger Zukunft auf dem Tisch." Der hundertste Jahrestag des Kriegsendes ist zweifellos ein guter Anlass, über all dies aufs Neue nachzudenken.

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