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Ein neues Bergman-Musical: FANNY UND ALEXANDER

Das letzte nennenswerte Bergman-Musical liegt über vier Jahrzehnte zurück. Gisle Kverndokk und Oystein Wiik wagen einen neuen Anlauf.

Opern nach Ingmar Bergman gibt es hin und wieder; ein Musical jedoch scheint angesichts der oft eher elegischen, meist recht düsteren und tiefenpsychologisch konnotierten Stoffe des schwedischen Filmemachers, Autors und Theaterregisseurs ein zumindest ungewöhnliches, auf jeden Fall ambitioniertes Projekt.

Gut vierzig Jahre nach Sondheims LÄCHELN EINER SOMMERNACHT wagen der vielseitige norwegische Komponist Gisle Kverndokk und sein Librettist Øystein Wiik einen neuen Anlauf – FANNY UND ALEXANDER, Bergmans 1982 als sein vorletzter Film realisierter Stoff wird in Kverndokks und Wiiks Musicalfassung 2020 am Landestheater Linz zur Uraufführung kommen.

Während Wiik sich von Anfang an für die Idee begeistern konnte, zögerte Kverndokk zu Beginn, erklärten sie im Interview mit dem Online-Magazin „Broadway World“ – FANNY UND ALEXANDER sei womöglich zu groß dimensioniert und außerdem dem Publikum allzu vertraut. Nachdem er den Film nochmals angesehen habe, sei seine Meinung eine andere gewesen, so Kverndokk: „Ich war überrascht, wie gut es sich für das Musiktheater eignet. (…) FANNY UND ALEXANDER ist eine Hommage an das Theater, das Leben, die Liebe und die Kunst. Die Charaktere sind so vielfältig, und in der Geschichte gibt es überall Musik“. (Das komplette Interview ist hier nachzulesen).

Außerdem ginge es in FANNY UND ALEXANDER auch um Magie und Rätsel. Der Stoff sei der anregendste überhaupt, mit dem er je umgegangen sei, sagt Kverndokk. Seine Musik solle „Zeit, Atmosphäre und Dramatik“ der Geschichte nachempfinden und der großen Anzahl von Figuren mit vielen, sehr unterschiedlichen musikalischen Themen gerecht werden.

Die Uraufführung des Musicals wird 2020 am Landestheater Linz stattfinden, inszeniert vom dortigen Leiter der Musicalsparte, Matthias Davids. Die deutsche Übersetzung erarbeiten Elke Ranzinger und Roman Hinze.

In FANNY UND ALEXANDER verarbeitete Ingmar Bergman in einer über fünfstündigen Fernsehfassung und dem daraus entwickelten, gut dreistündigen Kinofilm zahlreiche autobiographische Motive. Erzählt wird zunächst aus dem Alltag der wohlhabenden Theaterfamilie Ekdahl, aus der nach dem Tod ihres Vaters die beiden Kinder Fanny und Alexander herausgerissen werden, als ihre Mutter Emilie in zweiter Ehe den düsteren Bischof Vergerus heiratet. In dessen Haus durchleben Fanny und Alexander ein Martyrium, bis sich Emilie entscheidet, dass ihre Verantwortung für die Kinder allem anderen vorgeht.

Der mit vier Oscars gewürdigte Film, den der damals 64-jährige Bergman als seinen letzten ankündigte (es folgte dann 2003 doch noch SARABANDE), sei Bergmans „Abrechnung mit dem scheinbar Vergangenen“, heißt es im Lexikon des internationalen Films, und weiter: „Seine Erinnerung an glückliche und angstvolle Momente der Kindheit ist nicht weniger bitter und scharfsichtig als in früheren Werken, hat hier jedoch die Form eines prächtigen, sinnlichen und detailverliebten Schauspiels, das nicht zufällig im Theatermilieu angesiedelt ist“.

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