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Träume und Täuschungen

Halbwegs glückliches Ende oder früher Tod – unsere neuen Musicals VERBOTENE FRÜCHTE und DORIAN GRAY thematisieren grundlegende Entscheidungen und deren Folgen.

Während Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ gleichsam ein erweitertes Happy End hat, endet Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“ tragisch. Ein Ehepaar rauft sich wieder zusammen, weil es eine zwar schmerzhafte, aber stärkende persönliche Entwicklung durchgemacht hat; ein junger Mann nimmt sich das Leben, gerade weil er sich einer solchen Entwicklung widersetzt, indem er sich dem Alterungsprozess verweigert. Es verbindet die beiden, 1890 bzw. 1925 erstmals veröffentlichten literarischen Werke die Frage, wie man mit dem Genuss umgeht – lässt man, wie Dorian Gray, die Zügel schleifen und verschreibt sich dem Genuss an sich (um den Preis eines faustischen Paktes), oder findet man aus ebenjener Versuchung des zügellosen Genusses zu einer Art von Disziplin zurück, die ein Weiterleben mit Irritationen und Blessuren ermöglicht?

Unsere noch neuen Musical-Erwerbungen DORIAN GRAY von Roland Fister und VERBOTENE FRÜCHTE von Michael Bellmann, Jürgen Ferber und Joerg Steve Mohr (nach Schnitzler) gehen in der Behandlung der quasi-klassischen Vorlagen unterschiedliche Wege. Fisters für das Ensemble des Landestheaters Coburg – sozusagen als Musical für Opernsänger – entstandene Vertonung konzentriert sich laut dem Regisseur der Uraufführung, Bodo Busse, „der Verbindung von Stilelementen der Verismo-Oper, des sinfonisch durchkomponierten Musicals und des Jazz sowohl auf die melodramatischen Elemente des Romans (Entstehung und Enthüllung von Dorians Porträt; Dorians Beziehung zu Sibyl; die Freundschaft zu Basil und Lord Henry; Dorians narzisstische Verehrung des Porträts; Dorians Tod) als auch auf die großen Gesellschaftsszenen (die Enthüllung des Porträts in Dorians Salon; Dorians Vernissage der Gemälde von Basil)“. Nicht nur die klangliche Opulenz der Komposition beeindruckte das Coburger Publikum ebenso wie die Kritiker. So fand es der Bayerische Rundfunk „faszinierend, wie Roland Fister das Genre Oper und Musical (...) miteinander verknüpft, wie von einer Sekunde auf die andere die Rhythmen wechseln, aus einer Arie plötzlich eine Jazz-Nummer wird“.

In der als Kammermusical konzipierten Schnitzler-Paraphrase VERBOTENE FRÜCHTE sind Motive der ursprünglichen Erzählung in unsere Gegenwart verpflanzt (dass das funktioniert, bewies bereits Stanley Kubricks Verfilmung „Eyes Wide Shut“ mit Tom Cruise und Nicole Kidman). „Die Schlagschatten einer Ehe“ würden gezeigt, schrieb ein Rezensent der Uraufführung in Schwetzingen – dass die allzu routiniert gehandhabte Beziehung durch die erotischen Fantasien der Frau und den Beinahe-Ehebruch des Mannes zunächst heftig gestört, am Ende jedoch bereichert wird, kann auch in modernen Zeiten noch einige Sprengkraft entfalten. Die Musicalzentrale schrieb: „Wie schon die Vorgängerwerke enthält auch VERBOTENE FRÜCHTE wunderbares musikalisches Material. Zentrales Element ist ein Songzyklus rund um die Nacht, in der sich Friedrich nach dem markerschütternden Bericht seiner Frau verliert“. Die Konzeption von VERBOTENE FRÜCHTE erlaubt mehrere Besetzungsvarianten: Ursprünglich ist das Stück für nur zwei Darsteller geschrieben (wobei die männliche Rolle durchgehend ist und die Darstellerin alle anderen Rollen spielt), jedoch kann die Besetzung – ebenso wie die instrumentale Begleitung – auch erweitert werden. Wie immer versorgen wir Sie gerne mit Ansichtsmaterial!

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