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Leben ist laut, farbenfroh und munter – die Musicals von Mel Brooks

Gerade erst bejubelt wurden THE PRODUCERS und FRANKENSTEIN JUNIOR. Es gibt aber auch eine Mel-Brooks-Preziose zu entdecken.

THE PRODUCERS in Mainz (Foto: Staatstheater)

„Tragisch ist, wenn ich mir in den Finger schneide. Komisch ist, wenn Sie in einen offenen Gully fallen und dabei ums Leben kommen“ – wer könnte so etwas gesagt haben? Weiteres Beispiel gefällig: „Rhetorik nützt Ihnen überhaupt nichts, denn Mussolini und Hitler sind ziemlich gut darin. Erst wenn Sie diese beiden zu komischen Figuren machen, haben die keine Chance“. Charlie Chaplin? Woody Allen? Falsch. Wer THE PRODUCERS kennt, weiß es längst: Hier ist von Mel Brooks die Rede, und was er da sagt, hat er in diesem Musical zielstrebig verwirklicht.

Der 1926 in Brooklyn als Melvin Kaminsky geborene Regisseur, Autor, Schauspieler, Produzent und Komponist dürfte einer der vielseitigsten amerikanischen Fernseh- und Filmemacher sein. Und seine Verdienste werden inzwischen auch hierzulande anerkannt: THE PRODUCERS sei eine „bissige Satire, gespickt mit Frivolitäten und zahlreichen ironischen Anspielungen nicht nur auf den Broadway und seine Macher, auch auf lüsterne alte und wohlhabende Damen, auf tuntige Schwule und nicht zuletzt auf Adolf Elisabeth Hitler“, schrieb kulturfreak.de anlässlich der aktuellen Premiere dieses Musicals am Staatstheater Mainz.

THE PRODUCERS wurde zuvor in der deutschen Fassung von Nina Schneider seit 2013 in Schwerin, Regensburg, Görlitz, Osnabrück und Neunkirchen gezeigt, die nächste Neuinszenierung kommt 2020 in Hildesheim heraus und für die Saison 2020/21 ist bereits vorgesorgt. Auch Mel Brooks‘ Musical FRANKENSTEIN JUNIOR (wie THE PRODUCERS ursprünglich als Film entstanden) hat in der Übersetzung von Frank Thannhäuser und Iris Schumacher schon eine beachtliche Runde in Deutschland gemacht: Halle, Hof, Lüneburg und aktuell Pforzheim sind allein die professionellen Theater, die dieses Stück im Spielplan hatten, dazu kommen zahlreiche Amateurproduktionen. In der Spielzeit 2020/21 stehen zwei professionelle Neuinszenierungen von FRANKENSTEIN JUNIOR an.

Es gibt aber auch noch eine bisher wenig beachtete Musicalpreziose, an der Brooks „nur“ als Autor beteiligt war: ARCHY & MEHITABEL, ursprünglich als SHINBONE ALLEY herausgebracht. Die anrührende Liebesgeschichte in Gestalt einer Fabel war ursprünglich ein bescheidener Erfolg, ist aber als eins der ersten „Jazzmusicals“ (mit der Musik von George Kleinsinger) in die Geschichte des Genres eingegangen und verdient eine Wiederentdeckung. Die deutsche Fassung von Mechthild von Schoenebeck liegt premierenbereit vor.

Drei Spielarten des Humors zeigen Mel Brooks und seine Ko-Autoren mit diesen Musicals: politisch inkorrekte Satire in THE PRODUCERS, schrägen Wahnsinn in FRANKENSTEIN JUNIOR und melancholisch überhauchten, tierisch verkleideten Witz in ARCHY & MEHITABEL. Für alle gilt ein drittes Mel-Brooks-Zitat: „Wenn du leise bist, lebst du nicht. Du musst laut und farbenfroh und munter sein.“


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