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Über Freundschaft, Beziehung und Ehe – zehn Musicals im Kleinformat (Folge 1)

Noch eine Lücke im Spielplan und das Klavier steht ungenutzt herum? Kein Problem, hier sind ein paar kleine Musicals.

I DO! I DO! in Chemnitz (Foto: Theater/Nasser Hashemi)

DADDY LANGBEIN in Bielefeld (Foto: Theater/Sarah Jonek)

MURDER BALLAD in Lüneburg (Foto: Theater/Hans-Jürgen Wege)

HEIRAT MICH EIN BISSCHEN in Coburg

VERBOTENE FRÜCHTE in Schwetzingen

Zwei bis vier Darsteller*innen, ganz wenige Instrumente, für Sänger und Schauspieler geeignet – falls sich in der Spielplanung eine Lücke auftut, passen Musicals wie diese ebenso geschmeidig wie effektvoll hinein. Hier ist das erste Fünferpack!

Wen wundert’s, dass es meist um Beziehungen oder um die Ehe geht? Beginnen wir mit der Beziehungsanbahnung. Die gibt es im historischen Gewand und in modern-urbaner Ausprägung. DADDY LANGBEIN ist eine romantische Komödie im Kleinformat: armes Mädchen, reicher Traumprinz, große Liebe nach allerlei Hindernissen. Die literarische Vorlage, Jean Websters Briefroman von 1912 steht in der Tradition von Jane Austen und wurde mehrfach verfilmt (u.a. mit Fred Astaire und Leslie Caron). Das Zwei-Personen-Musical von Paul Gordon und John Caird wurde bisher in Bielefeld und Wiener Neustadt gespielt. Die Neue Westfälische nannte das Musical anlässlich der deutschsprachigen Erstaufführung eine "liebenswürdige Enthüllungs- und Entwicklungskomödie mit dezent sozialkritischer und frauenkämpferischer Note". 

Großstädtisch geht es in HEIRAT MICH EIN BISSCHEN zu. Zuletzt in München und Coburg aufgeführt, bietet Stephen Sondheims Zwei-Personen-plus-Klavier-Musical eine unterhaltsame, aber durchaus psychologisch grundierte Sicht auf das Leben von urbanen Singles, die gleichsam parallele Leben führen – kommen Sie zusammen? Die Antwort bleibt der Regie überlassen.

Bereits geheiratet wurde in I DO! I DO! (auch unter dem vielfach bewährten deutschen Titel EIN MUSIKALISCHES HIMMELBETT bekannt). Die kürzliche Premiere in Chemnitz, in neuer Übersetzung, zeigte den besonderen Charme dieses kleinen Musicals, das den Verlauf einer Ehe von der Hochzeit bis zum Umzug ins betreute Wohnen zeigt, mit allen Wechselfällen des Lebens dazwischen.

Von den VERBOTENEN FRÜCHTEN naschen zu wollen, das ist ein solcher Wechselfall, und in Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ kriegt das davon betroffene Ehepaar gerade noch so die Kurve. Immer wieder verfilmt (von Stanley Kubrick als „Eyes Wide Shut“) und anderweitig bearbeitet, hat die 1926 veröffentlichte Erzählung in einer kammerspielhaften Fassung auch den Weg zum Musical gefunden. Ein Mann als durchgehende Rolle und eine Frau für alle weiteren Charaktere – diese Besetzung reicht aus, um die verblüffend moderne Sichtweise auf eine Beziehung am Rande der Langeweile überzeugend umzusetzen.

Tatsächlich von den verbotenen Früchten genascht wird in dem Vier-Personen-Musical MURDER BALLAD, das in letzter Zeit in Lüneburg und Wien gezeigt wurde. Auch hier spielt die Langeweile ihren destruktiven Part, ein Mord geschieht, die Handlung kulminiert in dessen überraschender Aufklärung. Krimi und Beziehungsdrama zugleich, besonders geeignet für einen außergewöhnlichen Spielort wie einen Club oder eine Bar – MURDER BALLAD ist eine extravagante, vielversprechende Wahl für den Spielplan.

(Fortsetzung folgt!)


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