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Mit geschärften Kanten - VIKTORIA UND IHR HUSAR sind in Gießen angekommen

Erstmals erklang die an der Urfassung orientierte, bühnenpraktische Rekonstruktion von Hagedorn und Grimminger. Premiere war am 17. November.

VIKTORIA UND IHR HUSAR? Jedenfalls Paul Abraham mit junger Dame am Klavier...

Erstmals kam anlässlich der Neuinszenierung von VIKTORIA UND IHR HUSAR am Stadttheater Gießen die bühnenpraktische Rekonstruktion von Henning Hagedorn und Matthias Grimminger zur Aufführung. Die beiden Musiker sind inzwischen echte Abraham-Spezialisten, die sich soweit wie möglich an den jazzigen, vitalen Urfassungen von dessen Operetten orientieren. Der "verrückteste Komponist der Weimarer Republik" (so der Operettenexperte Kevin Clarke) klingt sozusagen wie neu - auch der Gießener Dirigent Florian Ziemen ist begeistert: "Mit den Sängern haben wir die pointierte Artikulation, die grotesk alberne oder sinnlich sentimentale Darstellungsweise, die Ironie und die lustvolle Improvisation der damaligen Operettendarsteller gesucht, um unsere musikalischen Mittel damit zu erweitern", schreibt Ziemen in einem Artikel für das Gießener Programmheft. "Unser Orchester ist in bester Kenntnis dessen, was wir über die damaligen Umstände an Wissen zusammentragen konnten, besetzt und zusammengestellt: Banjo, Sousaphon erklingen ebenso wie teilweise historische Blas- und Schlaginstrumente (...). Wie es der Komponist seinerzeit getan hat, so haben auch wir zwischen die Musiker des Philharmonischen Orchesters einige Jazzmusiker platziert, wie 1930 in Berlin oder Leipzig sind wir damit eine Gruppe klassisch ausgebildeter Musiker, die dem – damals brandneuen und Musik wie Gesellschaft radikal verändernden – Phänomen Jazz nachjagen und mit ihm und seinen neuen Möglichkeiten experimentieren." Die beiden ungarischen Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka gehen mit einer verwandten Haltung an VIKTORIA UND IHR HUSAR heran. Sie haben sich mit der stärker kabarettistisch geprägten ungarischen Erstfassung der Operette beschäftigt und wollen in ihrer Inszenierung "die Kanten schärfen", wie sie in einem Vorab-Interview erklärten: Das Spiel mit den emotionalen und nationalen Klischees, die nicht nur Operetten prägen, und die Spannung zwischen Realität und Traum sind Ausgangspunkte ihrer Interpretation.

Premiere war am 17. November, es folgen Vorstellungen am 29. November, 14./22. Dezember und 18. Januar. Weitere Informationen zum Stück bei Musik und Bühne finden Sie mit diesem Link

(Mit Dank an die Dramaturgie des Stadttheaters Gießen, die die zitierten Texte von Dirigent und Regisseurinnen vorab zur Verfügung stellte.)


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