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Ironie, Witz und Vitalität

In Gießen und darüber hinaus sorgt Paul Abrahams Operette VIKTORIA UND IHR HUSAR für Gesprächsstoff.

Wildes Treiben auf der Gießener Bühne: VIKTORIA UND IHR HUSAR, inszeniert und ausgestattet von Szermerédy und Parditka.

Die Neuinszenierung von VIKTORIA UND IHR HUSAR in Gießen ist dazu geeignet, eine Diskussion um die Operette hier und heute zu befördern, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Einerseits legt die hier erstmals aufgeführte, bei Musik und Bühne beheimatete bühnenpraktische Rekonstruktion von Henning Hagedorn und Matthias Grimminger die Modernität von Paul Abrahams Musik, ihre jazzigen Anteile und ihre große Distanz von den durch mächtige Klischees geprägten Erwartungen der „Rudolf-Schock-Fans“ (wie es ein Gießener Kritiker nennt) frei. Andererseits haben die auch für die Ausstattung verantwortlichen Regisseurinnen Alexandra Szermerédy und Magdolna Parditka sich kritisch mit besagten Klischees auseinandergesetzt, ohne Abrahams Operette die Unterhaltsamkeit zu nehmen – dass dies kein Widerspruch ist, auch dafür ist Gießens VIKTORIA ein Exempel: „Unbequem und verstörend“ seien die Brüche, aber sie ergäben auch „Sinn“, meint Peter Merck auf dem Portal mittelhessen.de: „Gewöhnungsbedürftig ist Alexandra Szemerédys und Magdolna Parditkas Inszenierung zunächst schon. (…) Doch ihr VIKTORIA UND IHR HUSAR am Stadttheater Gießen hat Biss, Tempo, Phantasie und Tiefgang“. Die Fassung von …. und ihre Gestaltung durch den Dirigenten Florian Ziemen bezeichnet der Kritiker als „Volltreffer“:  „30 Musiker, Banjo, Sousaphon, "echte" Jazzmusiker spielen Musik von damals. Wenn die Lovestory gefühlsbeladen wird, heizt er (Ziemen) das Orchester an, die seichtseligen Melodien mutieren zu jazzigen Rhythmen.“

Auch der Gießener Anzeiger hebt die Besonderheiten der musikalischen Rekonstruktion und der darauf aufbauenden Inszenierungen hervor: „Alexandra Szermerédy und Magdolna Parditka sowie der stellvertretende Generalmusikdirektor Florian Ziemen am Dirigentenpult lassen das Publikum mit vereinten Kräften keinen Augenblick im Unklaren, dass diese Urfassung sehr viel mehr Ironie, Witz, Vitalität und musikalische Radikalität enthält als die verfälschenden Adaptionen der 50er und 60er Jahre. Es pulst, swingt und jazzt in allen Winkeln.“ Der Operettenspezialist Kevin Clarke beschäftigt sich auf dem Internetportal klassik.com ausführlich mit den musikalischen Aspekten und resümiert: „Was bleibt, ist der nicht hoch genug zu lobende Versuch, Abraham im neuen Millennium eine Klanggestalt zurückzugeben, die den einstigen Erfolg seiner Werke verständlich macht“.

Ein Zuschauer habe beim Schlussapplaus „Etikettenschwindel“ gerufen, berichten die Rezensenten der Premiere, der Großteil des Publikums habe jedoch auch die Regisseurinnen in den Jubel fürs Ensemble eingeschlossen. Wie gesagt: Für Diskussionsstoff wäre gesorgt. Paul Abrahams Musik in bühnenpraktischer Rekonstruktion von Hagedorn und Grimminger  dürfte auch im Frühjahr 2013 für weitere Gespräche gut sein, wenn die Komische Oper Berlin den BALL IM SAVOY neu herausbringt.

Die Gießener VIKTORIA-Termine entnehmen Sie bitte den Internetseiten des Theaters. Informationen zum Stück bei Musik und Bühne finden Sie mit diesem Link.


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