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Sommertheater im besten Sinne

Die erste Runde der Freilichtpremieren wird in den Musical-Zeitschriften besprochen: Seltenes, Überraschendes und gut Bekanntes.

ZORRO - DAS MUSICAL in Tecklenburg

DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT in Ettlingen

ANATEVKA in Jagsthausen (alle Fotos: Veranstalter/Theater)

„Sommertheater im besten Sinne“ sei ZORRO, meint die Zeitschrift Musicals anlässlich der deutschsprachigen Erstaufführung in Tecklenburg. Die Show „unterhält gut zweieinhalb Stunden ohne Länge und entlässt das Publikum beschwingt in die Nacht“. Die Kollegen von Blickpunkt Musical sehen das Musical „im Cinemascope-Verfahren über das ganze Gelände der Burgruine. (...) Gleich am Anfang wird mit ,Baila me‘ bewiesen, dass die Klänge der Gypsy Kings ideal in dieses Musical passen. Bei ,Bamboleo‘ und ,Djobi Djoba‘ sind weitere rasante Choreografien (...) zu sehen. Auch die nachkomponierten Songs haben ihren Charme und haften im Ohr, unter anderem ,Wir‘, ,Einmal‘ und ,Fallen‘. Schwungvoll und lustig ist die Nummer zu ,Noch ein Bier‘, wogegen eine äußerst ergreifende Stimmung von Zorros Gebet ,Senor‘ ausgeht. (...) Die Figur des Zorro dürfte jeder kennen, und auch wenn das Musical nicht wirklich Neues erzählt, ist das Gesamtkonzept aus wunderbaren Choreographien, actionreichen Fechtszenen, Humor und überzeugenden Darstellern unbedingt den Besuch wert“.

ANATEVKA wird von der Zeitschrift Musicals anlässlich der Freilichtpremiere in Jagsthausen ganz aktuell beleuchtet: „Mit seinem Plädoyer gegen die willkürliche, sinnlose Vertreibung unschuldiger Menschen aus ihrer Heimat steht das etwas nostalgische Werk heute wieder mittendrin in der aktuellen Flüchtlingsdebatte“, meint der Rezensent. Die Lüneburger Inszenierung wiederum entfalte historische Zusammenhänge, heißt es in der Kritik: „Einstürzende Altbauten: Lieb gewordene Traditionen wanken, Vertrautes gerät plötzlich durcheinander, das gesellschaftliche Gefüge detoniert. Im Osten Europas verwirbeln Anfang des 20. Jahrhunderts revolutionäre Ideen den festgefahrenen Alltagstrott, außerdem prägen vielerorts Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung die politische Situation. Eine Welt unter Spannung und mit radikalen Zäsuren.“

In der Bundeshauptstadt ist seit Juni eine Produktion von NEXT TO NORMAL (dt. FAST NORMAL) zu sehen, die den Kritikern im Großen und Ganzen nicht so recht gefiel. Immerhin hält es der Rezensent von Musicals für „erfreulich, dass das innovative Musical von Komponist Tom Kitt und Autor Brian Yorkey den Weg auf eine Berliner Bühne gefunden hat“, und lobt Katharine Mehrling in der Diven-Partie der Diana als „Besetzungscoup“: „Ihr gelingt es, das breite Spektrum ihrer Rolle auszufüllen und einmal mehr zu demonstrieren, dass sie nicht nur eine charmante Soubrette ist, sondern auch in dramatischen Rollen brillieren kann“.

„Schier aus dem Häuschen“ sei das Publikum in Bad Vilbel bei SINGIN‘ IN THE RAIN geraten, berichtet Musicals außerdem. Insbesondere beim „szenischen Highlight zum Schluss, auch als vehement geforderte Zugabe elektrisierend, der Titelsong. Behutsam wird die Melodie angesungen, bis die Cast mit kunterbunten Schirmen die Bühne erobert. Eine optische Überschwemmung mit übermütigem Elan“.

Bleibt Stephen Sondheim, dessen LÄCHELN EINER SOMMERNACHT in Deutschland mit drei Produktionen innerhalb eines knappen Jahres für uns die größte Überraschung ist, die die Spielpläne bieten. Den Auftakt machten die Ettlinger Schlossfestspiele mit einer charmanten Inszenierung unter freiem Himmel. Blickpunkt Musical: „Intendant und Regisseur Udo Schürmer, der bereits in den letzten Jahren den Mut bewies, unbekanntere und musikalisch anspruchsvolle Stücke auf die breite Bühne der Schlossfestspiele zu bringen, inszeniert mit DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT nach SWEENEY TODD ein weiteres Musical des vielseitigen Broadwaykomponisten und Liedtexters Stephen Sondheim. Sondheim findet für jedes seiner Stücke eine eigene musikalische Sprache, ist in seiner Handschrift jedoch gleichzeitig unverkennbar. Nicht nur mit seinem sich durchziehenden Dreivierteltakt erinnert dieser melodiöse Reigen - ganz im Sinne Sondheims - an Wieder Operettenseligkeit, auch inhaltlich.“ Auch Musicals zeigt sich begeistert über die Aufführung des „viel zu selten gespielten Stücks“ und lobt: „Jürgen Voigt dirigiert mit viel Gefühl für die neckenden, spritzigen, zynischen und manchmal auch seligen Walzerrhythmen, in denen das ganze Stück komponiert ist. (...) Regisseur Udo Schürmer zieht mit Doris Gallart die perfekte Madame Armfeldt aus dem Hut, bei der einfach alles passt: die tiefe, volle, charakterstarke Stimme einer Diseuse, die Souveränität der Grande Dame, die mit einer fast jenseitigen Ironie über alles hinwegsieht und lächelnd über dem Chaos steht. (...) Immer wieder trifft die Inszenierung in kleinen Details das Motto ,Schlagsahne mit Messern drin‘, wie Sondheim seinen Ansatz einmal beschrieben hat. (...) Wie immer in den letzten Jahren ist man Ettlingen einfach abgrundtief dankbar für die Stückwahl und den sensiblen Umgang mit der Materie. Es lebe Stephen Sondheim!“


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