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Abgründiges und Anarchistisches

Die Zeitschrift "Musicals" beleuchtet die drei ungewöhnlichen deutschsprachigen Erstaufführungen der letzten Monate genauer.

THE PRODUCERS in Schwerin (Foto Theater/Silke Winkler)

Über FAST NORMAL (NEXT TO NORMAL) - dort geht es um Depression, Trauer und Tod - heißt es in der Rezension von Markus Zeller, dieses Stück stelle "eindrucksvoll unter Beweis, dass Musical auch für diese Themen offen ist und sie in einer tief bewegenden und vor allem zeitgenössischen Form auf die Bühne zu bringen vermag". Der Kritiker hebt anlässlich der deutschsprachigen Erstaufführung in Fürth darüber hinaus hervor, dass es sich um einen Originalstoff handelt, "keine Adaption einer literarischen Vorlage oder eines Filmes oder irgendeines anderen Werkes - auch das ist im Musicalfach selten genug". Das Fazit: "In der Summe ist NEXT TO NORMAL packendes und zeitaktuelles Musiktheater, das trotz aller Tiefe auch über viele Momente der Leichtigkeit verfügt".

Der Rezensent Lutz Hesse beschreibt Kurt Weills Broadway-Operette VIEL LÄRM UM LIEBE (THE FIREBRAND OF FLORENCE), die an der Staatsoperette Dresden erstmals szenisch in Europa und in deutschsprachiger Erstaufführung gespielt wird, folgendermaßen: "Mit einem großen Schuss Ironie erzählen Edwin Justus Mayer, der Liedtexter Ira Gershwin und Kurt Weill die Geschichte des in seiner Zeit berühmt-berüchtigten Bonvivants und begnadeten Künstlers Benvenuto Cellini. Dabei setzen sie auch die dramaturgischen Mechanismen der Operette frei: unterhaltend anarchistisch und frech. VIEL LÄRM UM LIEBE ist damit ein Stück unterhaltendes Musiktheater, das mit den Mitteln der Operette, der groen musikalischen Geste und dem 'Amerika-Sound' der 1940er Jahre einer der Geburtshelfer des klassischen Musicals war". Hesses Resumee: "VIEL LÄRM UM LIEBE - ein musikalisches Sittengemälde, das, wenn man den Mantel der Renaissance abstreift, sehr modern wirkt. Schön, dass dieses Stück unterhaltendes Musiktheater endlich den europäischen Kontinent erreicht hat".

Die Aufführung von Mel Brooks' THE PRODUCERS nennt Heinz-Jürgen Rickert in seiner Rezension "ein wahres Wunder" und charakterisiert dieses Musical so: "Mel Brooks zieht ... sämtliche Lustspiel-Register. Schrill, schräg, überdreht, dazu aber stets geistreich geht es zu und sehr bewusst werden die Grenzen des guten Geschmacks subversiv unterschritten. (...) Es schöpft aus dem Füllhorn scheinbar unfreiwilliger Komik und einem sich oft überschlagenden Tempo. Kaum je hat ein Theaterstück sich derart respektlos über Senioren, Juden, Homosexuelle amüsiert und nebenbei noch den Nationalsozialismus abgrundtiefer Lächerlichkeit preisgegeben. (...) So herzhaft ist in Deutschland wohl noch nie über den größenwahnsinnigen Diktator gelacht worden und so beherzt hat ihn niemand bisher demontiert".

Gern versorgen wir Sie mit Ansichtsmaterial zu diesen drei großartigen Werken - sie haben allesamt ein wirkungsvolles "Nachspiel" verdient!


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