Johann Strauss, der unangefochtene König der Wiener Operette, feierte vergangenes Jahr seinen 200. Geburtstag. DER ZIGEUNERBARON (1885) zählt zu seinen berühmtesten Werken, wird heute jedoch zunehmend kritisch gesehenen.
Anlässlich des Strauss-Jubiläums haben die international renommierte Osttiroler Musicbanda Franui und Roland Schimmelpfennig, einer der meistgespielten deutschen Gegenwartsdramatiker, mit DAS LIED VOM RAND DER WELT oder DER ZIGEUNERBARON eine Neufassung der Operette geschaffen, die 2025 im Wiener MuseumsQuartier uraufgeführt wurde.
Eine Verfremdung mit sarkastischer Zuspitzung
In dieser Neufassung werde „die Geschichte rund um Besitz, Liebe, Krieg, gesellschaftliche Verhältnisse wie auch Selbstermächtigung“ umgedeutet, erklärt Gerald Heidegger im ORF anlässlich der Uraufführung, wobei „Operette, Episches Theater und ein Hauch von Volksbühne“ miteinander verschmelzen.
Heidegger führt aus:
Der Witz des Zugriffs lebt in der Verfremdung, die mitunter eine sarkastische Zuspitzung sein kann – in anderen Momenten gerade den unbemerkten Übergängen eine ungeahnte Schönheit abzuluchsen weiß.
Von Sümpfen und Stahlnomaden
Die Handlung folgt in ihrem Grundgerüst dem Original, wird von Schimmelpfennig jedoch an einen neuen Ort verlegt und für ein heutiges Publikum weitergedacht: Nach Jahren der Heimatlosigkeit kehrt der junge Sandor Bárinkay in das Land seiner Eltern zurück, um sich dort niederzulassen und sein Erbe anzutreten. Doch die Sumpflandschaft am Rand der Welt ist längst besetzt. Der reiche Fleischfabrikant Zsupán hat sich dort ausgebreitet und will Bárinkay seine Ländereien nur unter einer Bedingung überlassen: Er soll Zsupáns Tochter Arsena heiraten.
Arsena liebt allerdings einen anderen und erklärt, nur einen Baron zum Mann nehmen zu wollen. Unerwartete Unterstützung erhält der zurückgewiesene Bárinkay von den ebenfalls im Sumpf lebenden Stahlnomaden – Ausgestoßenen und Marginalisierten der Gesellschaft. Sie schlagen sich auf seine Seite und machen ihn kurzerhand zu ihrem „Baron“.
Der spitze Sinn des Originals wird wiederhergestellt
„In der Neubearbeitung erhalten Sätze wie ‚Wenn man’s kann ungefähr, is net schwer, is net schwer‘ den spitzen Sinn des Originals wieder“, berichtet Heidegger über DAS LIED VOM RAND DER WELT. „So erhält das Werk die Spitzen von früher wieder und verliert die ziganeske Romantisierung, die sich in der Gegenwart nicht ausgeht, im 19. Jahrhundert schon aber als Angriff auf eine ständisch geordnete Welt betrachtet werden konnte.“
Clara Bender, die Dramaturgin der Erstproduktion, schreibt über das Konzept:
Bei Roland Schimmelpfennig spielt die Geschichte an einem geografisch nicht genau verorteten Schauplatz. „In den Sümpfen“, irgendwo „am Rand der Welt“ will eigentlich niemand leben – dort, abseits der wohlhabenden westlichen Gesellschaften, begegnen wir denjenigen, die sonst nirgends Zugehörigkeit und Heimat finden können: Den nomadisch lebenden Arbeiter*innen, die in Stahlwerken und auf Eisenfeldern den Reichtum anderer ermöglichen, ohne dafür gesellschaftliche Anerkennung zu erfahren.
Verborgene Schichten werden freigelegt
„Die Überschreibung nimmt die schon im Original angelegten Konflikte beim Wort und sucht einen vom historischen Kontext losgelösten, eigenen heutigen Ton“, erklärt Schimmelpfennig über seine Bearbeitung. Dieser eigene Ton zeigt sich besonders in der Musik des Ensembles Franui, das sich durch seinen unverwechselbaren Klang und seine genreübergreifende künstlerische Vielseitigkeit auszeichnet.
„Unser Zugang besteht darin, musikalische Werke nicht einfach zu überarbeiten oder zu modernisieren, sondern ihre verborgenen Schichten freizulegen und sie in unsere eigene Klangsprache zu übersetzen“, erläutert Franuis künstlerischer Leiter Andreas Schett über das Werk. „Das Stück wird durch die Transformation für uns Zeitgenossen wieder lesbar.“
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DAS LIED VOM RAND DER WELT oder DER ZIGEUNERBARON steht ab sofort für Lizenzierungen durch professionelle Bühnen zur Verfügung. Gerne versorgen wir Sie mit Ansichtsmaterial.