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Erinnern und Verabschieden: NEXT TO NORMAL

Regie aus weiblicher Sicht, zum ersten: Konstanze Kappenstein antwortet auf unsere “3 Fragen an…" - sie inszeniert NEXT TO NORMAL in Oldenburg.

Die Regisseurin Konstanze Kappenstein (Foto: Marc Lontzek)

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Haben Sie eine speziell weibliche Sicht auf NEXT TO NORMAL?

Mein Blick auf NEXT TO NORMAL kann ja nur weiblich sein und mein Fokus liegt sehr auf Diana. Für mich steht die Frage im Raum: Wer definiert, wie lange die Zeit der Trauer dauern darf. Im Vordergrund der Inszenierung steht die Erinnerung und der Prozess des Verabschiedens. In dem Stück merkt man deutlich, dass die unterschiedlichen Formen der Verarbeitung, bzw. der Verdrängung und der Nichtkommunikation innerhalb der Familie aneinandergeraten. Ihre Trauer wird nicht verstanden. Für mich geht es ums Funktionieren, sowohl in der Familie als auch gesellschaftlich und sobald ich rausfalle, wird es schwierig. Aber wer entscheidet, wie Trauer aussehen darf. Ab wann wird es unnormal. Und natürlich ist für mich pikant, dass Dianas Therapeuten männlich sind und gemeinsam mit ihrem Mann über ihre Psyche entscheiden. 

Warum gibt es Ihrer Meinung nach so wenige Regisseurinnen?

So ungern ich das auch schreiben möchte, aber ich bin der Überzeugung, dass sich leider an den patriarchalen Strukturen am Theater wenig verändert hat. Ich habe das Gefühl, dass noch immer Regisseurinnen weniger zugetraut wird. Ein weiterer Punkt ist für mich die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, bzw. Privatleben. Durch das viele Reisen, die meist unflexiblen Probenzeiten stellt man sich früher oder später die Frage, wie man das alles unter einen Hut bekommen soll. Und entscheidet sich dann vielleicht eher als männliche Regisseure gegen das Theater. 

Welches Thema würde Sie noch für ein Musical interessieren?

Bei NEXT TO NORMAL finde ich sehr spannend, dass sich das Musical so konzentriert mit schweren Themen auseinandersetzt: Depressionen, Tod und Verlust. Und das sind erstmal Themen, die mich sehr interessieren. Ich finde immer Stücke und Musikproduktionen spannend, die sich mit besonderen Beziehungs- und Familienkonstellationen beschäftigen. Aber gezielt würde mich das Thema, Frauen in der Kunst, damals und heute interessieren. Frauen, die in der Kunst, im Musik- und Literaturbereich gearbeitet haben, diese vielleicht geprägt haben, aber ausgelöscht und vergessen wurden. Ich würde gerne an diese Frauen erinnern wollen.


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