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Du bist nicht allein: DEAR EVAN HANSEN
Aktuell ist in Bonn das im anglo-amerikanischen Raum bereits äußerst erfolgreiche Musical DEAR EVAN HANSEN von Benj Pasek und Justin Paul (DOGFIGHT, EDGES) zu sehen.
Zum Inhalt erklärt Daniela Hennen in Musical Today: „Evan leidet an einer Sozialphobie und wird in der Schule gemobbt. Als er nach dem Selbstmord eines Mitschülers durch ein Missverständnis gesteigertes Interesse durch sein Umfeld erfährt, kann er der Versuchung nicht widerstehen, diese Lüge weiterzuspinnen. Evan gewinnt an Ansehen, verliert sich aber gleichzeitig in zunehmender innerer Zerrissenheit.“
Neben der „popmusikalisch geprägten Partitur“ lobt Hennen insbesondere die Aktualität und gesellschaftliche Relevanz des Musicals:
Mit der zunehmenden Enttabuisierung von Themen rund um psychische Gesundheit und Krankheit sowie der überproportionalen Relevanz von Social Media rückt die Story in den Mittelpunkt der Gesellschaft. Ein wenig Evan Hansen scheint in nahezu jedem von uns zu stecken.
DEAR EVAN HANSEN gebe zudem „Anstöße zur Selbstreflexion im Umgang mit psychischen Belastungen – eine wichtige und gesellschaftsrelevante Produktion“.
Zweifel, Selbstfindung, Einsamkeit
Dominik Lapp lobt auf kultufeder.de die „eindringliche, klug durchgearbeitete Story, die sich ganz aus der Perspektive ihrer Figuren speist und deren innere Verwerfungen sichtbar macht – intensiv, direkt, schonungslos erzählt“. Gerade die „allgegenwärtige Medialisierung jugendlicher Kommunikation“ werde eindrücklich dargestellt. Susanne Baum beschreibt das Stück in Blickpunkt Musical als „eine hochaktuelle Geschichte über Einsamkeit, soziale Ängste und den Druck (nicht nur digitaler) Selbstinszenierung mit einer emotional mitreißenden Pop-Rock-Partitur“.
Markus Lamers hebt im Opernfreund hervor, dass in DEAR EVAN HANSEN schwierige Themen „wie Suizid, Angststörungen, Depressionen und Trauer ebenso behandelt werden wie die Macht und die Gefahren der sozialen Medien“. DEAR EVAN HANSEN verarbeitet „Motive wie Zweifel, Selbstfindung, Einsamkeit und den Weg nach vorne“, schreibt André Böke in der Musicalzentrale. Das Stück sei „ein nahbares, modernes Musicalphänomen, das auch mittels eingängiger Songs eine […] psychologisch facettenreiche Geschichte erzählt.“
Böke lobt DEAR EVAN HANSEN als „beeindruckendes Theatererlebnis, das berührt, zum Nachdenken anregt und lange nachhallt“. Zur Begründung führt er aus:
Alle Charaktere sind nachvollziehbare Abbilder der Gesellschaft. Soziale Ausgrenzung von Jugendlichen, Mobbing, Suizid, Neurodivergenz, Gaslighting, Generationenkonflikt und die soziale Schere sind einige der prominenten Themen: ein hoch relevantes, aktuelles Stück, das auch dank der gelungenen Übersetzung von Nina Schneider endlich auf den deutschsprachigen Bühnen anzukommen scheint.
Ein empathisches Coming-of-Age-Musical: IM AUGE DES STURMS
Ein ganz neues Musical über das Erwachsenwerden hatte vergangenen Monat in Fürth seine Uraufführung: IM AUGE DES STURMS, das die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher erzählt, die in einer Kirche Schutz vor einem mysteriösen Sturm suchen. Dort werden sie mit Fragen von Identität, Freundschaft und Zugehörigkeit konfrontiert.
„All das, wofür die englische Sprache den schönen Ausdruck ‚Coming of Age‘ bereithält, wird hier mit großer Empathie verhandelt“, schreibt Angela Reinhardt in Musical Today. Zur Musik erklärt Reinhardt:
Es gibt klassische Balladen, mehrstimmige Chorsätze mit Melismen oder komponierte Dialoge, die Rap-Verse gegen eine poppige Melodie setzen. Einflüsse der modernen Klassik sind ebenso spürbar wie die Liebe zu Sondheim, in Binnenreimen und vor allem in der sehr engen Umarmung von Musik und Text.
Nic Schilling gelingen mit den Songs „große Momente, in denen die Figuren ihre eigene Erzählung wieder an sich reißen und gefestigt daraus hervorkommen“, ist bei Helene Mayerhofer in den Nürnberger Nachrichten zu lesen.
Eine ausführliche Presseschau finden Sie hier.
Ein Abend, der das Herz wärmt: ALICE
Im Jungen Staatstheater Kassel feierte zudem das frei auf Lewis Carroll basierende Musical ALICE von James Leisy und Carl Eberhard Premiere. Das Stück, das in Kassel von fast 50 Kindern und Jugendlichen gespielt und gesungen wird, stellt, so Marcus Leitschuh in Musical Today, „die großen Fragen des Lebens und wirbt für Zusammenhalt, dass man es gemeinsam schaffen kann“.
Stephan Drewinka lobt in Blickpunkt Musical das „temporeiche Libretto“ und die „Ohrwurm-Qualitäten“ der Musik. ALICE thematisiere „das Wachsen der eigenen Persönlichkeit, die Suche nach Identität und Orientierung in einer Welt, in der die Regeln ständig wechseln“. Der Hessische Rundfunk ist besonders von der Partitur begeistert:
Musikalisch bekommt man sehr viel geboten, viele Balladen, Music-Hall-Anklänge, klassische Musical-Nummern – sehr verspielt, sehr schrullig, im besten Sinne wundersam.
Das Fazit bei HR2: „Ein Abend, der das Herz wärmt – und gleichzeitig hat er eine politische Kante: Man darf und soll sich gegen Willkür auflehnen! Eine schöne Botschaft fürs Familienpublikum.“