Vor wenigen Tagen erst brachte der Musical Frühling Gmunden die deutschsprachige Erstaufführung von GIRL FROM THE NORTH COUNTRY heraus.
Das in New York und London erfolgreich gespielte Musical mit einem Buch des bekannten Autors Conor McPherson und 20 Songs des Nobelpreisträgers Bob Dylan entfalte „eine ganz eigentümliche Sogwirkung“, schrieb Musical Today in einer ersten Rezension. „Conor McPherson hat seinen 13 Figuren die Rollen sprichwörtlich auf den Leib geschneidert – jedes Wort, jedes bleierne Schweigen ist psychologisch motiviert und lässt tief blicken“, heißt es weiter.
„Ein intensives Graben in Psychen, Seelen und Abgründen“ sei GIRL FROM THE NORTH COUNTRY, meinen die Oberösterreichischen Nachrichten. Nie drifte das Stück in „Herzschmerzschmalz“ ab, da „die glasklaren, poetischen Texte von Bob Dylan das nicht zulassen“.
GIRL FROM THE NORTH COUNTRY ist ein Musical, das Fragen aufwirft. Songs des schon zu Lebzeiten legendären Bob Dylan in einem Musical? „Die (daraus) erwachsende Aura hat nicht auch nur ansatzweise Jukebox-Charakter“, meint Musical Today, „ganz im Gegenteil: Sie ist atmosphärisch dichte Theatermusik, die ein zeitgeschichtliches Panorama ausbreitet“.
Und eine weitere, nicht unwichtige Frage: Sollte man Dylans Songtexte übersetzen? Man muss nicht, aber die Entscheidung, es zu tun, hat sich in Gmunden bewährt. Gerade die lose und je Song unterschiedlich ausgeprägte Einbindung in die Handlung – vielleicht eine Referenz von McPherson an die Liebe Dylans zu Bertolt Brechts Theaterstil – erlaubt es, einige der Lyrics zu übersetzen und andere bewusst nicht.
Manche Songs sprechen für die Figuren, andere bewegen sich in einer Parallelwelt – der Wechsel von Deutsch und Englisch unterstützt diese dramaturgischen Wendungen.
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Es fällt mir auf, dass viele von Mister Dylans Songs jederzeit, von jedem in jeder Situation gesungen werden können und dennoch Sinn ergeben und mit diesem bestimmten Ort, dieser bestimmten Person und dieser bestimmten Zeit in Resonanz stehen. Wenn man das erkennt, kann man keinen Zweifel mehr daran haben, dass man es mit einem wirklich großen, einzigartigen Künstler zu tun hat. (Conor McPherson)
Ich habe es als anonymer Zuschauer gesehen, nicht als jemand, der etwas damit zu tun hatte. Ich habe es einfach geschehen lassen. Das Stück hat mich am Ende zu Tränen gerührt. Ich kann nicht einmal sagen, warum. Als der Vorhang fiel, war ich fassungslos. Das war ich wirklich. (Bob Dylan)
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GIRL FROM THE NORTH COUNTRY ist in Gmunden noch bis 18. April zu sehen. Im Oktober wird die Produktion als Deutsche Erstaufführung im Stadttheater Fürth gezeigt.