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Tony Awards für James Lapine, RAGTIME und CATS

James Lapine erhielt gestern einen Ehren-Tony. Zudem sind mehrere Stücke aus dem Musik-und-Bühne-Katalog unter den Ausgezeichneten. Wir gratulieren allen Gewinnern und Nominierten.

James Lapine (Foto: MTI)

SONNTAGS IM PARK MIT GEORGE an den Landesbühnen Radebeul (Foto: Pawel Sokolowski)

INTO THE WOODS in Wien (Foto: Volksoper/Barbara Pálffy)

LITTLE MISS SUNSHINE (Foto: Mecklenburgisches Staatstheater/Silke Winkler)

RAGTIME in Braunschweig (Foto: Volker Beinhorn)

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Am Sonntag wurden in New York die 79. Tony Awards verliehen – also die Oscars für Broadway-Theater. Librettist und Regisseur James Lapine wurde mit einem Ehren-Tony für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der 1949 in Ohio geborene Autor ist vielen in der Musicalwelt durch seine wegweisende Zusammenarbeit mit Stephen Sondheim bekannt.

Tiefgründige Reflexionen über Künstler und Märchen 

Bereits für ihr erstes gemeinsames Musical SUNDAY IN THE PARK WITH GEORGE erhielten Sondheim und Lapine den Pulitzer-Preis. Das Stück thematisiert auf den ersten Blick die Entstehung des Gemäldes „Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte“ von George Seurat, erweist sich beim genaueren Betrachten jedoch als tiefgründige Reflexion über die Entstehung von Kunst und den Preis, den große Künstler bisweilen im Privatleben für ihre Arbeit zahlen müssen.

INTO THE WOODS entpuppt sich als nicht minder vielschichtige Reflexion über Märchen und Wünsche: Verschiedene bekannte Märchenfiguren – darunter Rotkäppchen, Cinderella, Jack und die Bohnenranke und Rapunzel – treffen aufeinander. Ihre Geschichten werden miteinander verbunden und erhalten im zweiten Akt eine düstere Wendung. 

Spätestens seit der Verfilmung mit Meryl Streep (2014) erfreut sich INTO THE WOODS auch im deutschsprachigen Raum großer Beliebtheit. Eine neue West-End-Produktion lief zudem in diesem Jahr erfolgreich in London.

Zutiefst menschliche Stoffe

Lapines und Sondheims letzte Zusammenarbeit war PASSION. Das Musical basiert auf dem Film „Passione d’amore“ von Ettore Scola, in dem ein dramatisches Liebesdreieck thematisiert wird. Im Zentrum der Handlung steht der Offizier Giorgio, der in der italienischen Provinz der geheimnisvollen Fosca begegnet. 

Warum sich der junge, attraktive Mann in die reizlose Frau verliebt und warum er seiner eigentlichen Geliebten, der verheirateten Clara, immer fremder wird, zählen zu den zentralen Rätseln von PASSION.

Zu Lapines weiteren Arbeiten gehört LITTLE MISS SUNSHINE. Das Musical mit Musik von William Finn folgt der chaotischen, aber liebenswerten Familie Hoover, die sich auf einen bizarren Roadtrip begibt, damit Tochter Olive am titelgebenden Schönheitswettbewerb teilnehmen kann. 

Axel Seitz unterstreicht anlässlich der deutschsprachigen Erstaufführung am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin auf ndr.de die Allgemeingültigkeit der Geschichte, während Ute Grundmann für opern.news das Musical als „ein Hohelied auf die Stärke der Familie“ bezeichnet.

Darüber hinaus führte Lapine auch bei Stücken Regie, die nicht aus seiner Feder stammen – darunter THE 25TH ANNUAL PUTNAM COUNTY SPELLING BEE, ein Kammermusical über einen fiktiven Buchstabierwettbewerb, das aktuell ebenfalls ein erfolgreiches Revival am Broadway erlebt.

Preise für RAGTIME und CATS

Zu den großen Gewinnern in den „competitive“ Kategorien zählt das Musical RAGTIME von Lynn Ahrens, Stephen Flaherty und Terrence McNally (4 Awards). Das aktuelle Broadway-Revival demonstriert, wie wirkungsvoll das Werk auch mit reduzierten Mitteln inszeniert werden kann. RAGTIME basiert auf dem gleichnamigen Roman von E. L. Doctorow, in dem kunstvoll verschiedene Handlungsstränge aus den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts im amerikanischen Schmelztiegel New York miteinander verwoben werden.

Als Protagonisten fungieren eine Mutter aus einer wohlhabenden weißen Vorstadtfamilie, die sich gegen überholte Rollenbilder auflehnt, ein farbiger Jazzpianist aus Harlem, der den Tod seiner Verlobten rächen will, und ein jüdischer Immigrant aus Lettland, der seiner Tochter ein besseres Leben bieten möchte und ins Filmbusiness einsteigt. Nicht nur kreuzen sich die Lebenswege dieser Figuren mehrfach, auch historische Persönlichkeiten wie Henry Ford, Harry Houdini oder Evelyn Nesbit treten auf und interagieren mit den fiktionalen Protagonisten.

„The musical confronts racism, xenophobia, and feminism, forces still hauntingly present today“, erklärt Kyle Torrence in Attitude. „This RAGTIME is not just a revival; it is a revolution.“ Eine ausführliche Besprechung des Revivals finden Sie hier.

Außerdem wurde Andrew Lloyd Webbers CATS – The Jellicle Ball in den Kategorien Beste Regie, Beste Kostüme und Beste Choreografie ausgezeichnet.

Musik und Bühne sendet Glückwünsche an alle Gewinner und Nominierten des Abends.


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