Für Ungeduldige direkt zu den Stückinfos:
- DER GRAF VON MONTE CHRISTO
- NEXT TO NORMAL
- THE LAST FIVE YEARS
- FAME
- ALICE BY HEART
- MÄRCHEN IM GRAND-HOTEL
- BALL IM SAVOY
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Episch – und mit vielen Ohrwürmern
Alexandre Dumas’ GRAF VON MONTE CHRISTO wurde schon mehrfach für die große Leinwand und die Bühne adaptiert. Frank Wildhorn (JEKYLL & HYDE, DRACULA) hat aus dem populären Abenteuerroman zusammen mit Jack Murphy ein nicht minder episches Musical geschaffen, das im Theater Münster Premiere feierte. Das Musical orientiere sich „an den wichtigen Handlungssträngen des Romans und fasst diese in rund zweieinhalb Stunden durchaus unterhaltsam zusammen“, erklärt Markus Lamers im Opernfreund.
„Rockige“ und „sinfonische Momente“ wechselten sich ab, wobei das Musical „viele Ohrwürmer“ biete: „Sei es das Duett ‚Niemals allein‘ zwischen Edmond und Mercédès, das Terzett ‚Geschichte‘ der drei Ganoven oder die beiden großen Soli ‚Hölle auf Erden‘ und ‚Der Mann, der ich einst war‘ des Grafen von Monte Christo – sie bleiben allesamt lange im Ohr und zählen zweifelsfrei zu den großen Musical-Hits der letzten 15 Jahre.“ Daniela Hennen lobt in der Musicalzentrale die „leidenschaftliche Partitur“ und die „atmosphärische Dichte“ des Werks.
Zwei Kammermusicals mit Flair
Einen kleineren Rahmen, aber nicht weniger intensive Momente bietet das Kammermusical NEXT TO NORMAL, das am Oldenburgischen Staatstheater Premiere feierte. „Erzählt wird die Geschichte einer nicht ‚ganz normalen‘ Familie – wie auch immer man ‚normal‘ definieren mag“, erklärt Marcus Behrens bei Bremen Zwei. Er führt aus:
Im Mittelpunkt steht die Mutter der Familie, die bipolar agiert, also mal manisch, mal depressiv. Wir erleben, was dieser Zustand mit der Familie und mit der Mutter selbst macht. Für ein Musical ist das ein äußerst harter Stoff, mit dem jedoch sehr behutsam umgegangen wird.
Besonders positiv bewertet Behrens die „inhaltliche Tiefe“ und die „eingängige Musik“.
Dominik Lapp lobt auf kulturfeder.de die „gelungenen deutschen Texte von Titus Hoffmann“. Sein Fazit: „Ein Abend, der sein Publikum ernst nimmt, weil er Widersprüche stehen lässt und keine schnellen Auswege anbietet. In Oldenburg beweist man damit, wie zeitgemäß Musical sein kann, wenn man ihm vertraut.“ Das Werk von Tom Kitt und Brian Yorkey verbinde laut Sören Heithus in der Musicalzentrale „rockige Klangwelten mit großer emotionaler Ehrlichkeit“.
Ein eindringliches Musical im Kammerformat ist mit THE LAST FIVE YEARS aktuell auch in Regensburg zu sehen. Claudia Erdenreich lobt das Stück von Jason Robert Brown (PARADE, DIE BRÜCKEN AM FLUSS) bei Musical Today als „intensives Zwei-Personen-Stück“, das „im Zeitraffer von einer sterbenden Beziehung“ erzählt. Die Musik klinge „mal rockig, mal sanft“ und nehme „Teile von Folk und Blues mit auf“.
Musical-Kleinod für junge Nachwuchstalente
Mit FAME und ALICE BY HEART feierten auch zwei Produktionen von Nachwuchsgruppen erfolgreich Premiere: „Einen Renner“ nennt die Landeszeitung FAME in Lüneburg, das die Akademie Junges Musiktheater dort auf die Bühne brachte. Das Junge Staatstheater Wiesbaden wiederum zeigte ALICE BY HEART, das André Böke in der Musicalzentrale als „berührenden Musicalabend, der dem Publikum wichtige, heilsame Botschaften vergegenwärtigt,“ beschreibt.
Er erklärt:
Diese inspirierende Geschichte über Wachsen und Verharren, Loslassen und Festhalten, Leben und Vergehen mit Musik und Songtexten von Duncan Sheik und Steven Sater (SPRING AWAKENING) sowie dem vielschichtigen, teils poetischen Buch von Jessie Nelson ist in Deutschland noch ein Musical-Kleinod, das durch die nahbare und moderne Übersetzung von Frederike Haas besonders für junge Theatertruppen ergiebig ist.
Zeitlose Melodien in den Operetten Paul Abrahams
In die Welt der Operette taucht die Oper Dortmund mit MÄRCHEN IM GRAND-HOTEL ein. „Erzählt wird, wie sich Marylou, die Tochter des Filmagenten Macintosh, in einem Luxushotel in Cannes auf die Fährte der Infantin Isabella macht, um aus deren Liebesleben Inspirationen zu einem neuen Spielfilm zu sammeln“, fasst Rudolf Hermes die Handlung im Opernfreund zusammen. Die Musik von Paul Abraham enthalte zahlreiche „flotte Melodien“ mit „viel Schwung und Pfiff“. Als „Märchentraum eines desillusionierten Komponisten“ bezeichnet Thomas Molke die Jazz-Operette im Online Musik Magazin und lobt die „opulenten Klänge der Partitur“, die „unterschiedliche Musikstile“ miteinander verbindet.
Auch André Böke ist in der Musicalzentrale voll des Lobes für Abrahams Musik:
Die überwiegend klassischen Melodien werden durch Elemente aus Jazz, Tango, Charleston und Foxtrott aufgelockert, galten in den 1930ern als Populärmusik und haben durchaus Ähnlichkeiten mit George Gershwins Musikstil: eine kontrastreiche Partitur zwischen historischem Zeitgeist und zeitlosen Melodien.
Ein anderer Paul-Abraham-Klassiker ist derzeit in Flensburg zu sehen: BALL IM SAVOY. „Ein Hit jagt den anderen“, überschreibt Jens Zacharias seine Rezension für den NDR. Musikalisch vermische Abraham darin „Berliner Jazzmusik, ungarische Weisen, wienerische Melodien und jiddischen Klezmer“. Als „eines der musikalisch mutigsten Werke der Zwischenkriegszeit“ bezeichnet Marc Rohde das Werk im Opernfreund. BALL IM SAVOY sei ein Stück, „in dem Jazz-Rhythmen und gesellschaftliche Rollenspiele elegant verschmelzen“.
Er resümiert:
1932 in Berlin uraufgeführt, markiert das Werk den glanzvollen Schlusspunkt einer Ära. Abraham traf das urbane Lebensgefühl einer Generation, die zwischen Moderne und Tradition tanzte […]. Dass dieses Werk heute wieder so präsent ist, liegt an seiner unbändigen Offenheit. In einer Zeit, in der wir erneut über Identität, Freiheit und gesellschaftliche Teilhabe streiten, wirkt die spielerische Dekonstruktion von Rollenbildern bei Abraham fast wie ein aktueller Kommentar zu unseren eigenen Umbrüchen.