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Fünferpacks für Opernmenschen, Teil 2: Opera semiseria

Musical und Oper sind sich oft näher, als man denkt – in musikalischer wie inhaltlicher Hinsicht. Wir stellen 3 x 5 Musicals vor, die sich für eine Besetzung aus der Opernsparte eignen. Und halb-ernst geht’s weiter.

SWEENEY TODD in Bremerhaven (Foto: Stadttheater/Heiko Sandelmann)

SWEENEY TODD in Aachen (2022, Foto: Theater/Carl Brunn)

DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT am Theater Plauen-Zwickau (2018, Foto: Theater/Sermon Fortapelsson)

INTO THE WOODS in Coburg (2018, Foto: Landestheater)

ANATEVKA in Düsseldorf (2024, Foto: Deutsche Oper am Rhein/Sandra Then)

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Als die Gattung Musical sich formte, orientierten sich die großen „Book Musicals“ an der Opern- und Operettentradition, nicht zuletzt an der “opera comique”. Die Verstärkung durch Mikrofone etablierte sich erst nach und nach. 

So mussten die Gesangsstimmen sich gegen ein Orchester von erheblichem Umfang durchsetzen, und die meisten Menschen auf der Bühne waren deshalb klassisch geschult. Auch in späteren Musicals sind diese Ursprünge noch zu erkennen.

Viele Theater im deutschsprachigen Raum möchten Mitglieder ihres Opernensembles und ihr Orchester in Musicals einsetzen – die richtigen Stücke dafür stellen wir Ihnen in dieser Serie vor. Nach der “opera buffa” im November ist dieses Mal die “semiseria” dran. 

“Halb-ernste” Stoffe sind auch im Genre Musical gut vertreten und wie in der “opera semiseria” überwiegt in ihnen eher das ernste Element, aber das Ende ist dann doch - meistens - glücklich.

DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT wurde z.B. am Theater Plauen-Zwickau fast ausnahmslos aus dem Musiktheater-Ensemble besetzt. Inspiriert durch einen Spielfilm von Ingmar Bergman gibt sich Stephen Sondheim in diesem Musical nicht dem Weltschmerz hin, sondern belebt die Liebesverhältnisse von vier Paaren mit ein wenig Shakespeare, einem Quäntchen Tschechow und einer Messerspitze Strindberg.

CANDIDE mit Musik von Leonard Bernstein bieten wir in zwei Versionen an (Chelsea Version 1973 und National Theatre Version 1999). Anlässlich der Premiere an der Musikalischen Komödie hieß es in der Leipziger Volkszeitung, CANDIDE sei “eine Comic Operetta, ein stilistischer Spagat zwischen Operette und Musical mit Anforderungen an Sänger und Orchester, wie man sie aus der Oper kennt”.

Das Landestheater Coburg besetzte vor einigen Jahren seine Inszenierung von INTO THE WOODS bis auf eine Rolle aus dem eigenen Opernensemble - wer wagt, gewinnt! Das Onlinemagazin kulturaspekte.de schrieb: “Es sei vorweg lobend erwähnt, daß das Ensemble aus vielen Opernsängern besteht. (…) Von Schwierigkeiten war bei INTO THE WOODS nichts zu bemerken”. 

SWEENEY TODD wird am Theater Aachen ebenfalls fast komplett aus dem Musiktheaterensemble besetzt und auch wie heutzutage die allermeisten Opern in Originalsprache gesungen. Sogar die meist einer Schauspielerin zugedachte Partie der Mrs. Lovett war bei einer Opernsängerin in Aachen (und zuletzt in Bremerhaven) in guten Händen. “In dieser Inszenierung gelingt Seltenes: Populäre Unterhaltung mit Witz, Ernst, Aktualität und Qualität zu verknüpfen!”, schrieb die Aachener Zeitung zur Premiere.

An so unterschiedlichen Häusern wie dem Mittelsächsischen Theater oder der Deutschen Oper am Rhein wurde der Musical-Evergreen ANATEVKA mit hauseigenen Sänger*innen besetzt. Die bis heute (oder vielleicht gerade heute) sehr berührende, dabei von Humor durchzogene Geschichte aus einem Schtetl, dessen jüdische Bewohner von den russischen Machthabern vertrieben werden, ist auch durch die große Orchestrierung wie gemacht für Stadt- und Staatstheater.

Hier finden Sie das “Buffa-Fünferpack” - viel Vergnügen!


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