Für Ungeduldige direkt zu den Stückinfos:
- TOOTSIE
- HAIRSPRAY
- SONGS FOR A NEW WORLD
- MÄRCHEN IM GRAND-HOTEL
- DIE GELBE LILIE
- DER GRAF VON LUXEMBURG
- DER OPERNBALL
- EVITA
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Tiefgründiges Theater trifft wunderbaren Humor
„Einen perfekt getimten Gag nach dem anderen“ bietet laut Ursula Hartlapp-Lindemeyer im Opernmagazin das Musical TOOTSIE (nach dem gleichnamigen Film mit Dustin Hoffman), das diese Spielzeit in Bonn gezeigt wird. „Es ist eine moderne Broadway-Musical Comedy“, schreibt Hartlapp-Lindemeyer weiter. „Die Musik von David Yazbek (THE BAND’S VISIT) ist im klassischen Broadway-Sound mit Pop- und Jazz-Einflüssen und mit Vaudeville-Anklängen gehalten, und sie ist sehr humorvoll, energiegeladen und dialognah.“
Ihr Fazit fällt eindeutig aus:
TOOTSIE ist perfekte Unterhaltung mit Tiefgang, denn man hat sich intensiv mit Geschlechterrollen und Genderfragen auseinandergesetzt.
Über das Musical um einen arbeitslosen Schauspieler, der sich, um eine Rolle zu bekommen, als Frau ausgibt, erklärt Markus Lamers im Opernfreund: „Selten erlebt man in einem Musical derart viele herrlich komische Momente. Dass die Kombination aus durchaus tiefgründigem Theater und wunderbarem Humor bei TOOTSIE so gut funktioniert, liegt sicherlich auch an der gelungenen Übersetzung von Roman Hinze.“ Lamers resümiert, das Stück sei „ein großer Hit, der durch Spaß und Tiefgang gleichermaßen überzeugt“.
Eine Feel-Good-Show par excellence
Ebenfalls auf einem beliebten Film basiert das Musical HAIRSPRAY von Marc Shaiman (CATCH ME IF YOU CAN), Scott Wittman, Mark O’Donnell und Thomas Meehan, das in Darmstadt gespielt wird. Im Zentrum des Stücks steht die junge Tracy Turnblad, die davon träumt, in einer populären Fernsehsendung tanzen zu dürfen. Dabei muss sie nicht nur Vorurteile aufgrund ihres Aussehens bekämpfen, sondern wird auch mit dem Rassismus im Amerika der Sechziger konfrontiert. „Das Musical HAIRSPRAY zeigt den Traum von einer vorurteilslosen Welt“, titelt die Hessenschau passend.
„Mit seinem Eintreten für Toleranz und seinem Plädoyer gegen Bodyshaming behandelt das Musical zeitlose Themen“, betont Markus Gründig auf kulturfreak.de. Marc Shaimans eingängige Musik sorge dafür, „dass kein Fuß ruhig bleibt und bei vielen Songs mitgeklatscht werden kann. Es ist eine Feel-Good-Show par excellence.“ Frank Raudszus bezeichnet das Musical auf egotrip.de als „schwungvolle Apologie der Sechziger“ und führt aus: „HAIRSPRAY ist eine unterhaltsame Zeitreise zurück […] und vermittelt ein positives Lebensgefühl.“
Musikalische Momentaufnahmen
Zwischen Liederzyklus und musikalischer Revue ist SONGS FOR A NEW WORLD von Jason Robert Brown (PARADE, THE LAST FIVE YEARS) angesiedelt, das die Bühne Baden in dieser Spielzeit zeigt. Michaela Springer schreibt bei Musical Cocktail über das Werk:
SONGS FOR A NEW WORLD ist kein Musical im klassischen Sinne, sondern eine Sammlung von Momentaufnahmen, in denen Menschen kurz vor einer Entscheidung stehen, die ihr Leben verändert. Die Badener Produktion nimmt diesen Kern ernst und konzentriert sich konsequent auf die menschliche Dimension.
„Jason Robert Browns Liederzyklus thematisiert die Scheidepunkte im Leben unterschiedlichster Menschen“, beschreibt André Böke das Werk in der Musicalzentrale. „Jedes Lied erzählt eine eigene Geschichte und ist ein Schlaglicht auf das Überthema SONGS FOR A NEW WORLD. Manchmal schildern sie skurrile Einzelschicksale, manchmal stehen sie sinnbildlich für unterschiedliche Lebensrealitäten, zuweilen auch für globale Themen, mit denen sich die Menschheit konfrontiert sieht.“
Andrea Martin erklärt bei KulturAspekte das Konzept des Stücks wie folgt: „In jeder Szene ging es um Momente für einzelne oder mehrere Personen, die ihr Leben nachhaltig verändern […]. Flucht vor dem Leben, hoffen auf ein besseres, das Aufgeben oder Weitermachen in bestimmten Situationen und für viele galt ‚die Hoffnung stirbt zuletzt‘. Viele hofften auch, dass man aufgefangen wird, wenn man sprichwörtlich fällt, mussten aber feststellen, dass dem nicht immer so ist.“
Jazzoperette mit viel Herz
Aus der Feder Paul Abrahams stammt die Operette MÄRCHEN IM GRAND-HOTEL, die in Erfurt mit „Jazz, Glitzer und Herz“ begeistert, wie Larissa Gawritschenko und Thomas Janda im Online Merker schreiben. Besonderes Lob findet in ihrer Kritik der „Sound-Cocktail“ der Operette, „der süchtig macht: Jazz, Tango, Swing und der traditionelle Wiener Walzer verschmelzen zu einem musikalischen Erlebnis“.
Sie führen aus:
Abraham gab der Gattung Operette neue Impulse, indem er seine Musik konsequent mit Jazz-Elementen versah, sowohl in der Harmonisierung als auch in der Instrumentierung. Als unerschöpflicher Erfinder eingängiger Melodien konzipierte er seine Songs von Anfang an so, dass sie auch im Rundfunk funktionierten.
Wiener Idiom trifft auf Csárdás und Jazz
Eine Wiederentdeckung im Operettenbereich ist DIE GELBE LILIE, die in Annaberg-Buchholz gespielt wird. Als „musikalisch effektvolle Operette um eine standeswidrige Liebe“ bezeichnet Michael Kaminski das Werk bei der Deutschen Bühne. „Wienerisches Idiom, Pusztaklänge und Jazziges lassen sich effektsicher kontrastiert vernehmen.“
„DIE GELBE LILIE erweist sich in der Annaberger Spielform als Hybridoperette“, ist bei Roland H. Dippel auf concerti.de zu lesen. „Die Gattung geriet in den 1930er Jahren in einen Expansionsflow, der wirklich alle musikalischen Kunstmittel dieser Jahre mit exzessivem Heißhunger verschlang: Also noch mehr Tanz, noch mehr musikalisches Flirren, noch mehr Entertainment, Erotik und Emotionen.“
Zweimal Operette und ein Musicalklassiker
Weitere Premieren im Operettenbereich umfassen Franz Lehárs DER GRAF VON LUXEMBURG am Theater Vorpommern, dessen Musik laut Kultur-MV „Walzer, Märsche und sentimentale Melodien“ miteinander verbindet sowie Richard Heubergers DER OPERNBALL in Pforzheim. Diese Operette wartet laut kulturfreak.de mit „schwungvollen Walzern, humorvollen Verwechslungen zwischen Ehepaaren und opulenten Ballszenen“ auf.
Unter den Musicalpremieren findet sich darüber hinaus mit EVITA ein Genreklassiker, der aktuell an der Staatsoperette Dresden gezeigt wird. Jens Daniel Schubert beschreibt die Rockoper in Musical Today als Mischung aus „politischem Theater“ und „einer tollen Show über eine besondere Frau“ – und unterstreicht zugleich die zeitlose Aktualität des Stoffes.